Nachdem ich in den letzten drei Wochen so dermaßen oft auf meinen Gewichtsverlust angesprochen worden bin, möchte ich jetzt ein kleines FAQ machen, um die wichtigsten Dinge klarzustellen.

Facts first

Ich habe seit Anfang Juli 2016 ca. 23 kg abgenommen, von 90 kg (BMI 28,4) auf zur Zeit 67 kg (BMI 21,1).

Gewichtsverlauf

Du hast viel zu schnell abgenommen, das ist ungesund!

Joa… nein. Die Studienlage gibt das nicht her. Keine Korrelation zwischen Tempo des Gewichtsverlusts und zusätzlichen Erkrankungen, geschweige denn eine Kausalität.

An Dir ist überhaupt nichts mehr "dran"!

Oh my… wo soll ich anfangen? Was ist wichtiger, mein besseres Körpergefühl, meine gesteigerte Lebenserwartung - oder der "Knautscheffekt"?

Okay, und wie hast Du abgenommen?

  1. Kalorienlimit setzen: Energiebedarf ausrechnen und mal 0,8 nehmen. Das sind bei mir dann ca. 1500 kcal / Tag. Es macht nichts, mal einen Tag darüber zu sein - aber im Mittel sollte es schon passen.
  2. Lebensmittel tracken. Entweder per Hand (ist irgendwie blöd und umständlich), oder FDDB, oder Myfitnesspal (was ich gewählt habe).
  3. Durchziehen. Auf Dauer. Dabei hilft die App, weil sie das Eintragen der Lebensmittel enorm erleichtert.

Das wars. Mehr ist es nicht.

Kein Sport? 🤔

Doch, na klar - aber nicht primär zum Abnehmen.

Sport, gerade Cardiotraining, gewinnt extra Kalorien fürs Konto. Eine Stunde auf dem Crosstrainer bei nem Puls von 150 gibt 850 kcal extra, das ist schon mal eine Pizza.

Außerdem stärkt es die Muskulatur, was den Grundumsatz leicht(!!) erhöht. Und man wird fitter, und fühlt sich allgemein wohler.

Was ist mit Weight Watchers / Globuli / $you_name_it?

Keine Ahnung, hab ich nicht gemacht. 😉

Im Ernst, wenn es Dir hilft, super. Wenn nicht, nicht.

Allerdings frustrieren Fehlschläge auch wieder. Der Vorteil der Kalorienzählmethode ist, dass sie als einzige Methode auf wissenschaftlichen Fakten basiert - nämlich dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Es gibt Zweifel darüber, wieviele kcal denn nun in einem Lebensmittel stecken (die verwendete Methode basiert auf dem vollständigen Verbrennen des Lebensmittels), aber das ist immer noch um Welten genauer als jede andere Methode.

Weight Watchers vergibt zum Beispiel für jede Menge Lebensmittel null Punkte, die sind damit gratis. Im Gegensatz dazu steht der tatsächliche Energiegehalt: 100g Ananas 59 kcal, 1 Apfel 50kcal, 1 Birne 73 kcal - das nennt man, mit Verlaub, Schummeln.

Alle anderen Methoden, egal ob Atkins, LowCarb, Brigitte-Diät oder wie sie sonst noch heißen, basieren mehr oder weniger direkt auf der Kalorienzählen-Methode. Mit einer kleinen, aber bösen Einschränkung: Dadurch, dass man sich fest einem Essensplan unterwirft, hat man keinerlei Kontrolle mehr, sollte der Heißhunger auf Schokolade doch mal durchkommen. Oder McDonalds. Oder ein anderes, "böses" Lebensmittel. Wenn Du stets einen Überblick über Dein Kalorienbudget hast (auch dabei hilft die App…), ist der Griff zur Schokolade weit weniger mit schlechtem Gewissen belastet.

Ich könnte das nicht, es steht Weihnachten / Ostern / $andere_festivität vor der Tür!

Das erinnert von der Argumentation her etwas an die Arbeitgeber, die gegen die Einführung der Gleitzeit sind, weil ja dann keiner mehr arbeitet.

Wie sieht dagegen die Realität aus? Ja, dann gehst halt mal früher. Solange die Wochen-, Monats- oder Jahressumme passt, wird (im Rahmen!) keiner was sagen - und beim Kalorienbudget ist es genauso. Ja mei, dann gibts halt mal ein Grillfest mit 500kcal über dem Limit - so what?

"Gute" und "schlechte" Lebensmittel

Mein allerliebster Lieblingspunkt. Im Grunde steht dazu alles in Fettlogik, Kapitel 41ff. Aber ich fasse es nochmals zusammen: Sofern die Grundversorgung stimmt, gibt es keine "schlechten" Lebensmittel. Ich habe 23 kg abgenommen, und das trotz McDonalds, BurgerKing, KFC, Lebkuchen, Schokolade, mein wöchentlicher(!) Kakao (mit frischer Milch, bitte! Kein entrahmtes Wasser!) - you name it. Solange Du Dein Limit einhältst, kannst Du futtern, wie Du willst.

Aber auch das hat natürlich einen Haken: 1500 kcal entspricht 2,3 kg Äpfel, 400 g Lebkuchen - oder eben drei Hamburger Royal TS oder 1,7 BigTasty Bacon. Andersrum formuliert: Mit einem BigTasty Bacon habe ich mehr als die Hälfte meines Tageslimits ausgeschöpft - und das ist noch ohne Pommes (mittlere Portion: 329 kcal) und ohne Cola (½ l: 210 kcal).

Vorausgesetzt, man möchte unbedingt die Pommes (der Snacksalat hat 15 kcal ohne Dressing) dazu. Oder eben Cardiotraining, und sich im wahrsten Sinne des Wortes "den Burger runterstrampeln".

Der "Jojo-Effekt".

Im Grunde FLÜ Kapitel 34. Aber ich wills etwas einschränken: Würde ich jetzt plötzlich zu meinem alten Essenstil zurückkehren, würde ich natürlich wieder zunehmen - Physik und so! Solange ich jedoch ein Auge darauf habe, wieviel und was ich in mich reinstopfe, ist dieser Effekt ausgeschlossen.

Pass auf, dass Du nicht magersüchtig wirst!

Okay, vielen Dank für Deine Sorge. Leider hast Du nicht verstanden, wie eine Magersucht entsteht. Ich zitiere mal Wikipedia:

  • "erbliche Vorbelastung". Gut, das kann nie ausgeschlossen werden.
  • "gesellschaftliche Faktoren". Dieser Faktor ist zumindest umstritten (wobei ich eher erzaehlmirnix folge, dass inzwischen Fat acceptance inzwischen echt weit verbreitet ist - zum Schaden der Dicken!)
  • "individuelle Faktoren wie ein Mangel an Selbstwertgefühl". Kann ich zu 100% ausschließen. Im Gegenteil. Wie toll das ist, mit 34 Jahren das erste Mal(!) 10 km unter einer Stunde zu laufen…
  • "bestimmte familiäre Faktoren". Kann ich auch zu 100% ausschließen.

Also: Durch Abnehmen allein rutscht man nicht in die Magersucht ab. (Die Slippery-slope-Argumentation funktioniert nicht. Weder bei Cannabis noch beim Abnehmen.)

Ein paar ernstgemeinte Tips:

  1. Kauf Fettlogik überwinden (alternativ: bei Amazon). Ernsthaft. Du wirst jede Menge Ratschläge/Vorwürfe bekommen, und das Buch hilft Dir, diese zu entkräften.
  2. 250 g Magerquark haben ca. 170 kcal. Und man wird richtig satt davon - über längere Zeit. Leider schmeckt der pur eher bescheiden, und die ganzen leckeren Quarkcremes bestehen gefühlt nur aus Zucker. Meine Alternative: Flavdrops. 5-6 Tropfen reichen für 250 g Quark.
  3. Coke light/zero schmeckt auch. Und nein, es hat keinen appetitanregenden Effekt. (Vergiss das mit der Schweinemast).
  4. Süssstoff hilft bei Tee und Kakao. Die Umgewöhnungsphase hat bei mir drei Tage gedauert.
  5. In Restaurants hilft es mir, bei der Sättigungsbeilage zu sparen. Für mich sind das sinnlose Kalorien - gegebenenfalls mal eine Baked Potato mit Sour Cream zu Steak. Aber gerade die Spätzle, Pommes etc. ist eher nicht meines.
  6. Proteine sättigen bei mir mehr als Kohlehydrate. Kurzfristig wird man durch schlichtes mechanisches Füllen des Magens satt - aber ohne Nährwerte bekommt man schnell wieder Hunger. (Deshalb gerade Quark.)
  7. Keine. Panik. Du wirst Tage haben, wo Du über Dein Limit kommst - aber solange es im Mittel passt, ist alles in Ordnung.
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